Ähnlich wie bei impressionistischer und expressionistischer Kunst, so gibt es auch bei Kampfkunst oder Kampfsportarten ein dualistischer Unterschied, der Kampfkunstarten, man könnte meinen, stereotyp klassifiziert. Ein Buch, das recht schön auf die Auffälligkeit eingeht ist “Die Kämpferin” von Ralph Pfeiffer. Im Großen und Ganzen geht es darum, dass manche zuerst das Innere aufbauen um Äußere dazu zu konstruieren, wohingegen andere auf äußeren Techniken basierend ein inneres Fundament errichten wollen.

Grundsätzlich sind beide Wege zielführend, wenn die Voraussetzungen bei Trainer, Schüler oder Eltern des Schülers passen. Die inneren Kampfkünste gingen den äußeren chronologisch voraus und aus dem Endergebnis haben sich die Kampfsportarten entwickelt. Sie haben dementsprechend bei uns eine erhöhte Popularität.

Kampfsport vs. Kampfkunst

Es gilt zwar nicht vollumfänglich, dennoch sind äußere Kampfkunstarten bei uns in der Regel als Kampfsportarten bekannt, wobei der Fokus bei diesen auf einem ganz anderen, dennoch legitimen, Ziel liegt. Es geht schlichtweg um Sieger und Verlierer innerhalb eines strengem Reglements, wohingegen es bei Kampfkünsten um die individuelle Persönlichkeitsstruktur und die Ausprägung dieser geht. Das ist auch der Grund warum Kampfkünste stets eine Entwicklung durch den Anwender erfahren, da er seine Geschichte und seine Gegebenheiten in seine Kunst mit einbringt.

Darüber hinaus wurden Kampfkünste über Jahrtausende hinweg stets innerhalb der Familie oder eines Klans weitergereicht wohingegen Kampfsportarten im sportlichen Kontext weitergegeben wurden und einer objektiven leistungsorientierten objektiven Wertung unterworfen wurden. So wird in Kampfsportarten von Dan-Graduierungen gesprochen, wohingegen man in anderen Kampfkünsten von familiären Wertungen ausgeht und Sifu, SiJe, etc. ein gesamtes Tableau findet ihr hier. Die Schule wird somit im Rahmen eines familiären Mikrokosmos betrachtet.

Training und die Unterschiede

Betrachtet man die Sinnrichtung der zwei unterschiedlichen Gattungen, Mischgattungen lasse ich hier aus und und vor, ergibt sich selbstverständlich ein unterschiedlicher Trainingsablauf. Hier kommt auch die Prägung unserer westlichen Gesellschaft massiv zu Tage, unser visuell verwöhntes Auge und in der westlichen Kultur aufgewachsenes Herz wollen viele Techniken, hohe Tritte am besten noch Sprungtritte stets mit Fokus nach dem nächsten Punkt angesichts des nächsten anstehenden Turniers. So wird in erster Linie die Muskelkraft, Ausdauer und Schnelligkeit trainiert. Die klassisches halbe Stunde Aufwärmen vor dem eigentlichen Judo-Training ist mir heute noch positiv in Erinnerung. Man wurde geschult zwischen Angriff und Verteidigung umzuschalten, anfangs langsam und durch die retournierenden Übungen stets schneller. Angriffe und Abwehrtechniken wurden gezielter eingeschult bis ein hohes Maß an Explosivität aber auch Aggressivität eintrainiert war.

Bei inneren Kampfkünsten sieht das Training selbstverständlich gänzlich anders aus. Im Fokus steht Adaption und diese gelingt nie mit Härte. Vielmehr kultiviert man sein Chi, obgleich ich von dem Begriff nichts halte, da er gerne mystifiziert wird. Dennoch nutze ich ihn im Kontext einer Energie die auf Ausgleich gerichtet ist. Diese Energie bestimmt Gesundheit, Glück, Ausgeglichenheit und Erfolg. Diese Energie muss kultiviert werden wie ein Garten der gepflegt werden muss. Die Kampfkunst setzt somit einen freien Energiefluss voraus, bevor mit dem eigentlichen Training begonnen wird. Daher wird bei Wing Tsun oder ALternativen eine Chi-Übung vor dem eigentlichen Training eingeübt. Wir nennen diese Formen. Andere kampfkünste haben andere Arten des Fließenlassens des Chi.

Der grundsätzliche Unterschied besteht somit darin, dass wir im Gegensatz zu Kampfsportarten den Parasympatikus unmittelbar trainieren. so dass mehr Ruhe und Gelassenheit als oberstes Ziel steht. Den gezielten Stress den äußere Kampfkünste gezielt aufbauen (müssen), wäre in einer inneren Kampfkunst kontraproduktiv, zumal der aufgebaute Stress die Möglichkeit der Erklenntnis alternativer Lösungsmöglichkeit durch diese mentalen Scheuklappen verringert.

Im Kontext zu dem Unterricht in Burbach, sieht man viele Jugendlich und Kinder die fast ausschließlich aus zerrütteten Familien kommen, die unstet sind und keine Basis haben, Gewalt erfahren haben und Gewalt wirken. Oftmals mit dem Stigma ADHS geprägt, sprich einer Überstimulisierung des Sympathikus, die Sinnhaftigkeit einer Kampfsportart kann man sich dann für sich selbst festlegen.

Vor Jahren gab es einen Bühnenshow im Staatstheater wo Kampfsportarten und Kampfkunstarten vorgeführt wurden. Hierbei haben mich zwei junge Leute beeindruckt. Der eine war ein klassisches ADHS-Kind, das zur Vermittlung in das Shaolin-Kloster Otterberg gekommen ist. Innerhalb eines Jahres war er geheilt und wollte nicht mehr zu seinen Eltern zurück. Ein geregelter Tagesablauf, Training, Arbeit, Lernen und gezielte Ruhezeiten sind anfangs schwer zu erlernen so er selbst, da er selbst aus einem Haushalt gekommen ist bei dem die Eltern Termine versäumt und eigenes Fehlverhalten direkt relativiert haben. Die weitere Person, die mich beeindruckt hat war ein junger Mann, mit unsteten Vorleben, der nach China gezogen ist um sein “wahres Ich” zu finden. Er hat dem Publikum gesagt, dass erst das Einüben des Stands “Der Baum” aus dem TaiChi ihn sein eigenes Fundament nach 1 Jahr finden ließ und erst nach einem Jahr das eigentliche TaiChi in China begonnen hat.

Innere und äußere Kampfkunstarten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.